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Literarische Praktiken um 1900

(hg. v. Joachim Grage, Skandinavisches Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, u. Stephan Michael Schröder)


Band 1

Literarische Praktiken in Skandinavien um 1900. Fallstudien. Hrsg. von Joachim Grage und Stephan Michael Schröder. Würzburg: Ergon, 2012.

278 Seiten, EUR: 42,00, ISBN: 978-3-89913-933-4

Im Zuge der interdisziplinären Diskussion über das Performative wurde in den letzten Jahren verstärkt der Handlungsaspekt von Literatur in den Blick genommen. Die Aufsätze des vorliegenden Bandes knüpfen daran an und untersuchen die Vielfalt literarischer Praktiken jenseits der stillen Textlektüre und der Aufführung auf der Bühne. An Beispielen aus den skandinavischen Literaturen wird gezeigt, wie sich in den Jahrzehnten um 1900, einer markanten Phase der Literaturgeschichte, durch soziale, ökonomische und mediale Umbrüche Handlungsweisen verändern und neue Praktiken etablieren. Nach einer theoretischen Einführung, die den Begriff der literarischen Praktik in Bezug zu aktuellen Positionen der Performativitäts- und Handlungstheorie sowie der Praxeologie setzt, nehmen die Aufsätze jeweils unterschiedliche Akteure, Milieus und Medien in den Blick. Gender-, klassen- und altersspezifische Praktiken werden ebenso untersucht wie das Dichterbegräbnis als multimediale Masseninszenierung, traditionelle literarische Rezeptions- und Vermittlungsformen wie das Lesen und Vortragen ebenso wie Praktiken, die an der Schnittstelle von Literatur und den ›neuen‹ Medien wie Phono- und Kinematographie entstehen.

 

Band 2

Milieus, Akteure, Medien. Zur Vielfalt literarischer Praktiken um 1900. Hrsg. von Joachim Grage und Stephan Michael Schröder. Würzburg: Ergon, 2013.

261 Seiten, EUR: 39,00, ISBN: 978-3-89913-985-3

Die skandinavistischen und germanistischen Beiträge dieses Bandes versuchen sich an einer „Praxeografie des Textuellen“ (Robert Schmidt), indem sie die vielfältigen Praktiken beleuchten, in die Literaturen zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingebunden waren. Auf der Grundlage einer Verschränkung von Handlungstheorien mit Ansätzen der Performativitätsforschung werden sowohl solche Praktiken in den Blick genommen, in denen wichtige Akteure des literarischen Feldes im Mittelpunkt stehen, als auch solche, die sich durch ihre Einbindung und Verwendung von Medien oder durch ihren Bezug auf bestimmte Milieus definieren lassen: das Vorlesen literarischer Texte im Rahmen von Autorenlesungen und in der Schule, die literarischen Praktiken der Avantgarde und der Boheme, die Inszenierung und Rezeption von Literatur durch Grammophon und Radioübertragung, die Interaktion von Literatur und Presse, die Konstituierung eines milieuspezifischen Literaturbegriffs durch Praktiken der Arbeiterbewegung und die intermedialen Inszenierungsformen von Literatur auf einer Buchausstellung. Die Beispiele machen deutlich, dass Literaturgeschichte nicht nur text- und medienhistorische Verläufe, sondern auch die Entstehung und Entwicklung von Praktiken berücksichtigen muss.

 

Band 3

Christian Berrenberg: »Es ist deine Pflicht zu benutzen, was du weißt!«
Literatur und literarische Praktiken in der norwegischen Arbeiterbewegung 1900-1931
. Würzburg: Ergon, 2014.

476 Seiten, EUR 69,00, ISBN: 978-3-95650-031-2

Die Dissertationsschrift betrachtet eine Literatur – norwegische Arbeiterliteratur um 1900 – die laut Literaturgeschichtsschreibung kaum existierte. Im ersten Teil der Arbeit wird die Literaturdebatte der Arbeiterpresse analysiert, um ein milieuspezifisches Verständnis von Literatur zu rekonstruieren. Es zeichnet sich ein Korpus ›guter Literatur‹ ab, das stets mit Zweckgebundenheit und Aktivität assoziiert wurde, weshalb Literatur in diesem Kontext nicht ohne die Praktiken, die sie hervorruft, analysiert werden kann. Der zweite Teil der Arbeit beschreibt, analysiert und kategorisiert eben diese Praktiken, von denen viele in der bisherigen Forschung vernachlässigt bis übersehen wurden. Die meisten sind im Bereich der Weiterbildung zu verorten: proletarisches Lesen, das Verfassen und Vortragen handgeschriebener Zeitungen, proletarisches Theater, Feste, Studienzirkel u.a. Zwei längere Exkurse – zum milieuspezifischen Bildungsbegriff und zur norwegischen sog. Schundliteraturdebatte und der Frage nach ›guter Unterhaltung‹ – dienen der Kontextualisierung der literarischen Praktiken. Im dritten Teil stellt ein zusammenfassender Vergleich mit Schweden die norwegischen Spezifika heraus und es wird eine Definition von Arbeiterliteratur entworfen, die sich durch die Einbeziehung eines größeren Textkorpus sowie der literarischen Praktiken auszeichnet.